FREITÄGER CORONA HYGIENE-TESTKAUFSTUDIE

Bei 35% aller Einkäufe Verstöße gegen die Corona Hygieneregeln

 

Im Einzelhandel werden die Corona Hygieneregeln branchenübergreifend im Großen und Ganzen eingehalten. Allerdings kommt es in fast allen Läden bei einem Einkauf zu einem kleineren oder größeren Verstoß gegen die Corona Hygienebestimmungen. Das zeigt eine Corona Hygiene-Testkaufstudie, die FREITÄGER Ende Mai in über 50 Läden des Einzelhandels im RheinMain-Gebiet durchgeführt hat. Die FREITÄGER Tester führten Einkäufe in unterschiedlichsten Branchen und La-dengrößen durch. Besucht wurden u.a. Apotheken, Bäckereien, Drogerie-, Lebensmittelmärkte, Möbelhäuser, Märkte für Tiernahrung sowie der Bekleidungs- und Schuhhandel.

Obwohl die Studie aufgrund der Fallzahl nicht repräsentativ ist, liefert das zentrale Ergebnis, dass es bei jedem 3. Einkauf zu einem Verstoß gegen die Corona Hygieneregeln kam, einen wichtigen Hinweis darauf, dass die Einhaltung der Corona Hygieneregeln vom Handel bisher nicht ausreichend kontrolliert wird. Vor allem Mund- und Nasenschutz werden von Mitarbei-tern oft nicht korrekt getragen.

Insgesamt fühlten sich die Tester/Kunden beim Einkaufen wohl. In Läden mit mehreren Verstößen gegen die Corona Hygienebestimmungen kam es bei den Testern aber zu einem negativen Sicherheitsempfinden, auch wenn es sich jeweils nur um kleinere Verstöße handelte.

Alle besuchten Händler versuchten durch Kundenhinweis oder eigene Kontrollmaßnahmen sicherzustellen, dass nur die maximal gewünschte Anzahl von Kunden den Laden betrat. Dabei verwendeten 28% ausschließlich die unsichere Methode "Kundenhinweis". Alle Läden mit geringer Kundenfrequenz und kleiner Ladenfläche verwenden diese Methode. In 54% der Tests erfolgte eine aktive Kundenanzahlbeschränkung durch eigene oder Security- Mitarbeiter. Ein interessantes Ergebnis ist, dass in Supermärkten, die als Prüfmethode nur den "Kundenhinweis" verwendeten, sich alle Tester durch hohen Kun-denandrang unwohl fühlten. Diese Prüfmethode (Eigenprüfung durch Kunden) reicht in Supermärkten offensichtlich nicht aus und führt bei größeren Ladenfläche mit verwinkelten Gängen zur Fehleinschätzung von Kunden.

In 77% der Test war ist das Desinfizieren der Hände im Laden möglich.

Schutzmasken wurden von allen Mitarbeitern getragen, aber nur in 74% der Besuche wurden diese durchgängig korrekt verwendet. In Apotheken verwendeten 100% der Mitarbeiter einen korrekten Mund- und Nasenschutz. In Bekleidungshandel und bei Möbelmärkten lag die Quote mit 63 bzw. 50% deutlich niedriger.

Abstandmarkierungen an der Kasse sind in knapp 91% der Läden vorhanden. Überraschenderweise sind Abstandsmarkie-rungen bei Möbelhäusern nur in 25% der Fälle vorhanden. Im Normalfall verzichten nur kleinere Läden wie Bäckereien auf die Markierungen.

63% der getesteten Läden verwendeten im Kassenbereich eine Schutzscheibe/-folie und 30% alternativ einen korrekten Mund-Nasenschutz des Kassenpersonals. In 7% aller Tests sind die Mitarbeiter an der Kasse ungeschützt. Grund ist i.d.R. die falsche Trageweise des Mund-Nasenschutzes.

Knapp 60% der Läden hatten separierte Ein- und Ausgänge. Besucherführungssysteme werden vor allem in größeren Läden eingesetzt. In größeren Läden gab es separierte Ein- und Ausgänge allerdings bereits vor der Corona-Epidemie.

Immerhin bei 33% der Tests kam es zu Situationen, in denen die Abstandsregeln nicht eingehalten wurden.

Obwohl die Corona Hygienebestimmungen insgesamt weitgehend einhalten wurden, erfolgte dies komplette nur bei 65% aller Tests. Dadurch fühlten sich immerhin 12% der Tester beim Einkauf unsicher und unwohl. Das Unsicherheitsgefühl wurde insbesondere dann ausgelöst, wenn die Steuerung der Kundenanzahl ausschließlich durch Kundenhinweis, d.h. Initiative der Kunden stattfand, die Hygieneregeln vom Verkaufspersonal nicht beachtet wurden oder es zu Gedränge vor frequentierten Regalen bzw. in engen Gängen des Ladenlokals kam.

Sofern nicht 100% der Corona Hygienebestimmungen eingehalten werden und sich auch nur ein Bruchteil der Kunden und Gäste unsicher fühlt, verschenken Handel und Gastronomie die Chance, die Schwellenängste ihrer Kunden und Gäste zum Besuch zu reduzieren und damit wieder zu einem weitgehend normalen Niveau des Kundenkontakts zurückzukehren. Bis es dazu kommt, ist eine kontinuierliche Kontrolle der Einhaltung der Hygieneregeln und -maßnahmen zwingend erforderlich.

Wiesbaden, 10.06.2020

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